06 January 2012


Lena Schmidt, born 1981 in Bremen, lives and works in Hamburg, Germany. She studied Fine Art at the Hochschule für bildende Künste Hamburg from 2004 to 2011.

Presentation:
The images of dark, wet, empty nighttime urban streets are haunting, populated by power lines and the harsh light of an uncovered street lamp. However, the canvas that German artist Lena Schmidt uses are pieces of found wood, which she then scratches with a thin knife to come up with her cityscapes—all of that eerie light, the brick facades, the watery streets are created by scraping, all in tones of off-white and black. Schmidt calls her artworks urbanscapes—they refer to places that generate themselves from nonplaces, she says, from the transit zones of the city, traffic interchanges, road systems, crossroads and deserted old industrial brick buildings.

http://www.lenaschmidt.com

Interview with the artist (in german)

Wie bist du dazu gekommen Holz als dein Material zu wählen? Hast du auch viel andere Materialien probiert?
Ich habe schon sehr früh in meinem Kunststudium angefangen auf gefundenem Holz zu arbeiten. Die Nachtbilder haben als Eddingzeichnungen begonnen, die ich vor Ort nachts gemacht habe. Ich arbeite immer noch mit diesen schnellen Skizzen, die ich vor Ort auf Papier zeichne. Nach einer Weile hatten sich sehr viele dieser kleinen Eddingzeichnungen angesammelt und in mir bildete sich der Wunsch, etwas Größeres aus dieser Serie zu machen. Zum Anfang meines Studiums hatte ich sehr wenig Geld und große Probleme meine Materialien zu bezahlen. Da es kostenlos überall zu finden war, bot sich Holz als Bildträger in dem Moment perfekt an. Natürlich hatte ich auch, ganz abgesehen von dem finanziellen Aspekt, schon vorher eine Affinität zu schönen Fundstücken aus Holz. Auch das Abkratzen von Farbe ist anfangs aus finanziellen Gründen entstanden. Mit Edding auf Holz zu zeichnen war sehr teuer, da ich sehr viele Stifte verbraucht habe. Ich habe dann das Holz mit einer monochromen Farbschicht beschichtet und diese abgekratzt, was wesentlich günstiger war, als einzelne Stifte zu bezahlen.

Bereits als ich das erste Mal auf Holz gearbeitet habe, merkte ich, dass Holz genau mein Material ist. Es machte für mich auch Sinn, die Zeichnungen auf etwas zu machen, dass aus der dargestellten Umgebung stammt.

Wie und wo findest du deine Holzstücke? Was entscheidet gerade welchen Fund du dir mit ins Atelier bringst?
Die Holzstücke laufen mir sozusagen über den Weg. Oft finde ich Sie an den Orten die ich zeichne, oder auch in meiner direkten Umgebung. Ich wohne ja in einem Industriegebiet.

Die Entscheidung für ein Holzstück ist eine intuitive Entscheidung. Ich fühle mich meistens spontan zu einem Stück Holz hingezogen. Dann nehme ich es erstmal mit ins Atelier. In meinem Atelier sind die Fundstücke meistens recht lange, bis ich anfange auf ihnen zu arbeiten. Es muss ein konkrete Idee geben, damit ich anfange auf dem Holz zu arbeiten. Das braucht Vertrautheit und Zeit.

Zu deinen Motiven: Woher diese Faszination für Großstadtslandschaften (urban landscapes)?
Ich bin ein Kind der Großstadt. Diese Umgebung hat mich geprägt. Es ist meine Heimat. Viele der Bilder die ich zeichne basieren auf tiefliegenden Erinnerungen an kleine Zwischenmomente, wie zum Beispiel das Überqueren einer Brücke oder die nächtliche Autobahnfahrt.

Die menschenleere Stadt bei Nacht übt eine sehr starke Faszination auf mich aus. Die Orte bleiben da, beanspruchen ihren Raum und erhalten die Erinnerung, auch wenn Niemand dort ist. Für mich sind sie aufgeladen mit Bedeutung und Atmosphäre und strahlen eine unglaubliche Ruhe aus. Es ist der Moment dazwischen, ein Übergangsmoment den ich Einfrieren möchte. Ich denke, dass jeder Mensch diese Erinnerung an die Orte des Transits, die Randgebiete der Stadt unterbewusst teilt.

Es ist ein universales Thema, zu dem ich aber gleichzeitig einen sehr persönlichen Bezug habe.

Mit dem Zeichnen in der nächtlichen Stadt habe ich angefangen, aus einem starken Wunsch nach Ruhe und Rückzug. In dieser Zeit habe ich fast täglich lange Nachtspaziergänge gemacht. Ich wollte die Schönheit dieser Orte einfangen.

Wirst du dieses Thema zukünftlich weiter untersuchen, oder hast du auch andere Themen mit denen du dir beschäftigen möchtest?
Bisher hat sich meine Liebe zu der Stadt nur vertieft. Ich lasse mich von meinem Interesse treiben. Genauso wenig, wie ich mir irgendwann vorgenommen habe, die Stadt als Thema zu wählen, werde ich mir ein anderes Thema vornehmen. Ich folge meinem Interesse, sicherlich wird sich das auch mal in eine neue Richtung wenden.

Könntest du kurz über deine Reise und Entwicklung als Künstler, von Bremen nach Hamburg (mit allen Zwischenstationen) erzählen?
In Bremen bin ich geboren und zur Schule gegangen. Ich hatte schon mit 15 Jahren die Idee Kunst zu studieren, habe mich aber lange Zeit nicht getraut. Ich kam mir irgendwie größenwahnsinnig vor und hätte nie gedacht, dass ich einen Platz an einer Kunsthochschule bekommen könnte. Ich habe dann mehrere Dinge angefangen und wieder abgebrochen. Mit 23 Jahren habe ich endlich meinen Mut zusammen genommen und mich an mehreren Kunsthochschulen beworben. Hamburg war mein Wunschziel und glücklicherweise hat die Schule mich auch genommen. Ich habe 6 Jahre in Hamburg studiert, wobei ich sehr eigenständig gearbeitet habe und nur selten an die Schule gegangen bin. Ich habe während des Studiums viel ausgestellt. Ich hatte außerdem das Glück ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes zu bekommen. 2011 habe ich mein Diplom gemacht und seitdem arbeite ich freiberuflich als Künstlerin in Hamburg.

Gibt es für dich irgendwelche deutliche Vorbilder die dich inspirieren, z.B. Künstler mit deren Arbeit oder Methoden du dich identifizieren kannst? Fühlst du dich in irgendeiner Tradition zu Hause?
Land Art ist die Kunstrichtung, die mich persönlich am meisten beeindruckt. James Turrells Arbeiten finde ich unglaublich faszinierend. Auch Andy Goldsworthy bewundere ich sehr. Der Künstler, der mich am meisten beeinflusst hat ist wahrscheinlich David Lynch. Ich habe mir Twin Peaks ungefähr vierzig mal angesehen. Ich finde die Atmosphäre, die Musik und die Bilder in dieser Serie unglaublich mitreißend. Ich liebe Musik und höre sehr oft und gerne Musik. Sie inspiriert mich noch mehr als bildende Kunst es tut.

In eine Tradition oder Kunstrichtung kann ich mich nicht einordnen. Von Außen werden meine Arbeiten oft in den Bereich der Urban Art eingeordnet. Es gibt sicherlich viele Überschneidungspunkte, aber der Ursprung meiner Arbeit liegt eigentlich woanders. Technisch bewege ich mich zwischen Zeichnung, Malerei und Skulptur.

Erzähl uns gerne etwas über deine internationale Erfolge – die Ausstellungen in Portland und Miami, USA: Wie ist das zustande gekommen?
Ich habe 2010 ein sechs wöchiges Stipendium in der Fountainhead Residency in Miami bekommen. Dan und Kathryn Mikesell, die dieses private Stipendium vergeben sind unglaublich tolle Menschen, die sehr viel tun um die Künstler in ihrer Residency zu fördern. Durch sie ist der Kontakt zum Primary Project Space entstanden, die im März 2011 eine Ausstellung mit meinen Arbeiten gemacht haben. Ich hatte im Zuge dessen einen zweiten einmonatigen Aufenthalt in der Fountainhead Residency. Im Sommer hat mich dann Jane Kate Wood von der Victory Gallery in Portland kontaktiert. Momentan ist dort eine Einzelausstellung mit meinen Arbeiten , die noch bis ende Januar zu sehen ist.

Ich würde gerne auch etwas über das Riesenstück, das Werk das du "Hammerbrook" betitelt hast, erfahren: Was ist das eigentlich, und wie hast du das verfertigt?
Ich hatte schon lange die Idee, ein Bild zu machen, das den Betrachter wirklich umfängt und dadurch eine größere Tiefe und Räumlichkeit entwickelt. Ich wollte, dass man sich wirklich an den Ort versetzt fühlt, der dargestellt ist. Das Motiv ist der Stadtteil Hammerbrook, in dem ich seit sieben Jahren lebe. Es ist eine Art Collage aus vielen verschiedenen Orten in diesem Stadtteil. Das Material ist gebogenes Flugzeugspeerholz, dass ich monochrom mit Acrylfarbe bemalt habe. Die Farbe habe ich dann mit einem Feinmesser vom Holz gekratzt und zum Teil poliert.

Ich war immer neidisch auf Musiker, die etwas erschaffen, dass den ganzen Raum ausfüllt und dadurch unausweichlich eine Atmosphäre im Raum erzeugt. Diese beiden halbrunden Bilder, die zusammen auch in einer Installation funktionieren, waren ein Versuch, diesem Effekt näher zu kommen. Sie waren auch gleichzeitig meine Abschlussarbeit an der Hochschule.

“Hammerbrook Side 1″, 2011, acrylic paint on wood, scratched into wood,
9 x 1,5 Meter

“Hammerbrook Side 2″, 2011, acrylic paint on wood, scratched into wood,
9 x 1,5 Meter

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